Dreigroschenoper

Projektprofil


 

Eine lebhafte Straße in Soho im Jahr 1910. Bettler, Diebe, Prostituierte. Mackie Messer schlendert mit seinem Spazierstock vorbei. Sein alter Freund aus der Militärzeit, Polizeichef Tiger Brown, macht Pläne für die bevorstehende Krönung. Die Peachums, Organisatoren des Londoner Bettlermonopols, versuchen ihre Tochter zu beschützen, die allerdings Mackie schon aufgefallen ist. Jazz, populäre Schlager und der Tango perlen durch die elektrisierende Musik, gespielt von einer versatilen Achterband. Die ätzenden Verse durchdringen die Stimmung und hinterfragen die Moral des Kapitalismus. Eigentum ist zwar Diebstal, aber die Liebe ist rein, selbst unter Dieben.

Höhepunkt des Projekts ist eine Gemeinschaftsproduktion der Intergenerationen-Truppe aus London und Berlin. Die Inspiration dazu kam 1999 auf einem Austauschprogramm des Tate Modern Museums. Ein Mitarbeiter des Berliner Nachbarschaftsmuseums, das in den berühmten UFA Filmstudios der 20er Jahren liegt, erforschte regenerative Nachbarschaftsprojekte in Southwark, London. Der Nachbarschafts-Beauftragte der Tate schlug ein Treffen zwischen 1st Framework und der UFA vor. Seitdem haben die beiden Organisationen drei Austauschbesuche mit 40 Lernenden aus verschiedenen Generationen durchgeführt. Auf jeder Reise haben die Teilnehmer innovative und sozial experimentelle Projekte in beiden Städten besucht.
Das Projekt Dreigroschenoper bietet beiden Organisationen die Gelegenheit, im September 2002 ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Die Tour endet in der Berliner UFA Fabrik, den berühmten deutschen Filmstudios, wo klassische deutsche Filme, wie z.B. Der Blaue Engel mit Marlene Dietrich gedreht wurden. In der UFA Fabrik drehte auch D. W. Pabst 1922 die ursprüngliche Filmversion der Dreigroschenoper mit Brecht und Weill (eine auf Französisch und eine auf Deutsch; die englische Version wurde bereits zu Beginn der Dreharbeiten aufgegeben). Diese Produktion ist darin einmalig, dass sie sich an das Drehbuch des Films der 20er Jahre hält, der einen anderen dramatischen Schluss hat als das Bühnenstück. Brecht und Weill hatten das Ende des Films umgeschrieben. Im Film gelingt es den Bettlern, die Krönungsprozession zu stören, während Mackie im Gefängnis sitzt. Mit den Einnahmen der Bettlerbande kauft Polly eine alte Bank in der City, und Mackie flieht mit seiner Kaution aus dem Gefängnis. Tiger Brown verliert seinen Job als Polizeichef und wird auch Mitglied des Aufsichtsrats der Bank, genauso wie die Peachums. Das Stück wird von Peter Avery geleitet und wird eine Weltpremiere sein mit seiner neuen Musik, die nie zuvor gespieltes ursprüngliches Material enthält, das erst vor kurzem von der Kurt Weill Gesellschaft in New York veröffentlicht wurde. Dirigent ist Tom Hammond, Leiter des Helios Sinfonieorchesters, das zuletzt für den Princes Trust und St Johns Smith Square gespielt hat. Tom wird demnächst im Hauptstudio des Royal Opera House eine andere Weltprämiere dirigieren, nämlich die neueste Oper des dänischen Komponisten Brent Sorenson. Die Kerntruppe der Dreigroschenoper ist eine Intergenerationengruppe von Lernenden. Sie schafft Arbeit für eine vielversprechende Gruppe junger Leute, Mitwirkungsmöglichkeiten für ältere Menschen, und Gelegenheit für ehrenamtliche Helfer. Beginnend im November 2001 sucht die Gesellschaft Mitwirkende in Berlin für das Berlin-London Programm. Von November 2001 bis September 2002 wird die Kerntruppe Arbeitskreise in Berlin und Dessau leiten. Das Team arbeitet zusammen mit lokalen Chören, Tanz- und Theatergruppen, um sie als "Gastdarsteller" in die Schlussvorstellung zu inkorporieren. Sie werden dann in kleineren Rollen als Gangster, Bettler und Huren auftreten. Die Aufführungsorte in London wurden besonders für ihren Bezug zu Mackie Messers London grwählt, insbesondere Bishopsgate Goods Yard im Herzen der City, ein großer unterirdischer Komplex von Bahnbrückenbögen, der sich von Londons Finanzzentrum bis zu Brick Lane im East End hinzieht. Diese außergewöhnliche vergessene unterirdische Welt des Victorianischen London ist das viertälteste Eisenbahn-Bauwerk der Welt. Es wurde im März 2000 der Öffentlichkeit zur kurzfristigen Nutzung wieder zugänglich gemacht. Die auf der Oberfläche gelegenen Warenhäuser sind 1964 bei einem notorischen East End Bandenkrieg abgebrannt. Falls Sie teilnehmen möchten, senden Sie uns ein E-mail!

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